Proseminar: Satz, Bedeutung, Gedanke
Was sorgt dafür, dass ein einzelner Ausdruck oder ein ganzer Satz eine bestimmte Bedeutung hat? Wie kommt es, dass man mit der Äußerung des Satzes "Gras ist grün" den Gedanken ausdrückt, dass Gras grün ist - und nicht etwa, dass Rosen rot sind? Mit diesen und verwandten Fragen werden wir uns im Seminar beschäftigen. Neben Bolzanos Konzeption von Sätzen und Vorstellungen an sich sowie Freges Unterscheidung von Sinn und Bedeutung werden drei Theorien der Satz-Bedeutung im Mittelpunkt stehen: der Verifikationismus, der behauptet, die Bedeutung eines Satzes sei die Methode seiner Verifikation; die Wahrheitsbedingungen-Semantik, nach der die Bedeutung mit den Bedingungen zu identizifieren ist, unter denen der Satz wahr ist; und die Handlungstheoretische Semantik, für die sich die Bedeutung daraus ergibt, was die Sprecher mit der Äußerung des Satzes zu verstehen geben wollen. Abschließend werden wir uns mit dem spezielleren Problem befassen, was für eine Bedeutung indexikalische Ausdrücke wie "ich", "hier" und "jetzt" haben, oder anhand von Ausschnitten aus Lycans Buch Philosophy of Language die Hauptthesen der behandelten Bedeutungstheorien im Überblick rekapitulieren.
Dieses Seminar ist zugleich eine Einführung in das analytische Philosophieren. Studierende im Hauptstudium können mit einer Zusatzleistung einen Kolloquiumsschein erwerben.
Semesterplan:
01. 11. Vorbesprechung
15. 11. Grundlegende Begriffe und Unterscheidungen
- Wolfgang Künne: Verstehen und Sinn, in: Zeitschrift für Philosophie 6, 1981, S. 1-7
Wolfgang Künne: Abstrakte Gegenstände, Frankfurt/M. 1983, Kap. 5, § 2, S. 196-202 - John Searle: Intentionalität, Frankfurt/M. 1987, Kap. 1, S. 15-30, 34-35
29. 11. Satz und Vorstellung an sich, Sinn und Bedeutung
- Bernard Bolzano: Wissenschaftslehre, Bd. 1, neu hrsg. v. Wolfgang Schultz, Leipzig 1929, § 19, S. 76-78, § 23, S. 91-94, §§ 48-49, S. 215-221
- Gottlob Frege: Über Sinn und Bedeutung, in: Gottlob Frege, Funktion, Begriff, Bedeutung, hrsg. v. Günther Patzig, Göttingen 1962, S. 40-52.
13. 12. Verifikationismus
- Moritz Schlick: Bedeutung und Verifikation
- Geoffrey Warnock: Verifikation und Sprachgebrauch, in: Günther Grewendorf & Georg Meggle (Hrsg.), Linguistik und Philosophie, Frankfurt/M. 1995, S. 17-31.
10. 01. Wahrheitsbedingungen-Semantik
- vorauss. David Wiggins: Meaning, Truth-Conditions, Proposition, in: Dialectica 46, 1992, S. 61-74
- vorauss. David Wiggins: Meaning, Truth-Conditions, Proposition, S. 74-90
24. 01. Handlungstheoretische Semantik
- Georg Meggle (Hrsg.), Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Frankfurt/M. 1979, S. VII-XII.
Jonathan Bennett: Die Strategie des Bedeutungs-Nominalismus, in: Meggle, S. 153-166 - Jonathan Bennett: Die Strategie des Bedeutungs-Nominalismus, S. 166-176
07. 02. Die Bedeutung indexikalischer Ausdrücke
- Mark Textor: Bolzanos Propositionalismus, Berlin & New York 1996, Kap. 3, S. 125-138.
- Wolfgang Künne: "Das Vorkommen des Wortes "ich" in einem Satze gibt noch zu einigen Fragen Veranlassung", in: Ingolf Max & Werner Stelzner (Hrsg.), Logik und Mathematik, Berlin & New York 1995, S. 291-302.
- Alternativ: Ausschnitte aus William Lycans Philosophy of Language: A Contemporary Introduction, London 1999.